Dr. Thomas Sycha, Universitätsprofessor, Facharzt für Neurologie

Kopfschmerz

Migräne Illustration

Kopfscherz ist eines der häufigsten neurologischen Symptome. Mehr als 70% der Menschen haben zumindest einmal Kopfschmerzen. Bei zirka 5% der Menschen treten diese Kopfschmerzen täglich auf.

Kopfschmerz ist ein Symptom vieler körperlicher und seelischer Ursachen. Nach internationalen Richtlinien werden mehr als 200 verschiedene Kopfschmerzformen unterschieden. Die häufigsten sind primäre Kopfschmerzerkrankungen, das heißt Kopfschmerzen, die keine Hirnschädigung als Ursache haben. Dazu zählen unter anderem die Migräne, der Spannungskopfschmerz und der Cluster Kopfschmerz.

Bei der Migräne kommt es anfallsartig zu heftigen, oft einseitig pulsierend-pochenden Kopfschmerzen. Zusätzlich können auch Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Sehstörungen auftreten.

Der Spannungskopfschmerz äußert sich durch dumpf-drückende Schmerzen im ganzen Kopf. Hier finden sich häufig begleitend muskuläre Verspannungen und druckschmerzhafte Stellen (Triggerpunkte) im Kopf-Hals-Schulterbereich, die bei der Auslösung der Schmerzen mitbeteiligt sind.

Schmerzhaft verspannte Muskulatur und Triggerpunkte in der Hals und Nackenregion spielen auch beim zervikogenen Kopfschmerz eine wesentliche Rolle. Hier kann der Kopfschmerz durch Bewegung und Druck verstärkt werden. Häufig besteht eine zusätzliche Schwindelsymptomatik.

Bei chronischen Kopfschmerzen treten Schmerzattacken an mehr als 15 Tagen im Monat auf, aber auch Patienten mit geringerer Anfallsfrequenz empfinden die Erkrankung als extrem belastend.

Durch eine genaue symptomortientierte Erhebung der Vorgeschichte kann ich bereits in über 90 % die Diagnose stellen. Die weitere genaue fachärztliche Diagnostik ist wichtig, um etwaige gefährliche und behandelbare Ursachen des jeweiligen Kopfschmerzes zu identifizieren.

Die Behandlung zielt bei akuten Kopfschmerzen auf eine schnelle und anhaltende Schmerzlinderung ab. Bei häufigen und chronischen Kopfschmerzen kommt der Vorbeugung größere Bedeutung zu. Hier spielt nach neuesten Erkenntnissen auch der Einsatz von Botulinumtoxin eine wesentliche Rolle. (ORF-Beitrag 22.09.2012) Besondere Aufmerksamkeit schenke ich dem übermäßigen Gebrauch von Schmerzmitteln, da diese nicht nur die Organe schädigen, sondern den Kopfschmerz selbst verstärken können (Medikamenten-induzierter Dauerkopfschmerz). In solchen Fällen ist eine ambulante oder stationäre(Kopf-) Schmerzmittelentzugsbehandlung erforderlich.

Siehe auch: Dr. Sycha in der Presse